Ob automatische Untertitel, barrierefreie digitale Angebote oder Alternativ-Texte – Künstliche Intelligenz eröffnet neue Möglichkeiten, Barrierefreiheit zu stärken und Zugang zu Medien zu verbessern. Gleichzeitig können KI-Dienste Diskriminierung weiter verschärfen, denn KI-Systeme werden mit Daten aus einer vielfach nicht barrierefreien Welt trainiert.
Genau diese Ambivalenz stellten die Bremische Landesmedienanstalt und der Landesbehindertenbeauftragte bei ihrer gestrigen Veranstaltung in den Mittelpunkt. Unter dem Motto „KI und Barrierefreiheit – Nützliches Werkzeug oder neue Hürde?“ diskutierten Expert:innen aus Wissenschaft, Praxis, Medien und Selbstvertretung darüber, wie KI bereits heute zur Förderung von Barrierefreiheit eingesetzt wird und wo ihre Grenzen liegen. Die Expert:innen sprachen auch darüber, welche Standards, Kompetenzen und Rahmenbedingungen notwendig sind, damit technologische Innovation tatsächlich zu echter Teilhabe beiträgt, statt bestehende Ungleichheiten zu verstärken.
„Die Frage ist: Kann KI eine Freundin der Barrierefreiheit sein?“, so brema-Direktorin Cornelia Holsten. „Ich glaube: Sie kann es sein, aber sie wird es nicht von allein. Es braucht Menschen, die genau hinschauen und das KI-System ohne Barrieren gestalten. Nur so kann echte Teilhabe garantiert werden.“
Der Landesbehindertenbeauftragte Arne Frankenstein ergänzt: „Die Ergebnisse, die KI liefert, müssen immer durch Menschen überprüft werden, denn KI-Systeme werden mit Daten aus einer vielfach nicht barrierefreien Welt trainiert. Gleichzeitig bietet das die Chance, unter Mitwirkung von Menschen mit Behinderungen als Expert:innen in eigener Sache zielgerichtet Barrieren abzubauen und die Weiterentwicklung einer inklusiven Gesellschaft zu fördern.“
Auf dem Podium in der VHS Bremen diskutierten deshalb:
Domingos de Oliveira, Accessibility Consultant, adesso SE
Dr. Harald Flemming, General Counsel, Zattoo
Dr. Irmhild Rogalla, Leiterin Institut für digitale Teilhabe, Hochschule Bremen
Maren Rolfes, Interessensvertreterin Medienpolitik, RTL Deutschland
Inklusionsexpertin Lilian Masuhr moderierte die Veranstaltung. Rund 70 interessierte Gäste verfolgten die Gesprächsrunde.